Faire Handarbeit vs. ausbeuterische Kinderarbeit

Faire Produktionsbedingungen vs. ausbeuterische Kinderarbeit

Ich möchte Euch heute ein bisschen mehr von meiner Sicht über ein Thema erzählen, welches mich schon lange und immer mehr beschäftigt. Was in vielen Ländern in Fabriken passiert, was uns vorenthalten wird und wovor wir gerne die Augen verschließen, sind untragbare Zustände, die ganz sicher kein einzelner von uns dulden könnte wenn wir es mit eigenen Augen sehen würden. Keiner möchte es wissen, keiner möchte es sich vorstellen und keiner möchte daran denken, dass die neue Hose von einem kleinen Mädchen, vielleicht 10 Jahre alt, mit giftigen Chemikalien behandelt worden ist und dieses Mädchen jeden Tag 14 Stunden für einen lächerlichen Lohn von nicht einmal 15 cent pro Stunde in der Fabrik hart arbeiten muss. Ein Mädchen, was aufgrund der Chemikalien unter gereizten Atemwegen oder schlimmeren leidet. Und wofür? Damit wir eine Jeans für 20€ kaufen können, auf der immer noch eine riesige Marge ist. Eine Jeans, die unsere Haut reizt, eine Jeans, die nach kurzer Zeit kaputt geht, eine Jeans die wir vielleicht noch nicht einmal häufig tragen.

Ich kann mich selbst nicht davon freisprechen, diesen Prozess nicht auch schon unterstützt zu haben und auch immer noch manchmal zu unterstützen, wenn auch unbewusst. Es ist wirklich kaum zu glauben wie viele große und kleine Marken unter unfairen und ausbeuterischen Bedingungen produzieren lassen, da muss man schon sehr genau suchen, um ein Unternehmen zu finden, welches dies nicht gut. Ich bemühe mich mehr und mehr auf Produkte zurückzugreifen, die nicht nur aus hochwertigen und natürlichen Materialien bestehen, sondern auch so hergestellt worden sind, dass ich ein gutes Gefühl dabei habe sie zu tragen oder in meine Wohnung zu stellen. Ich informiere mich über Marken und deren Produktionsbedingungen, ich versuche Produkte zu finden, die fair hergestellt worden sind und gleichzeitig ästhetisch und schön sind. Viele glauben, dass Nachhaltigkeit und Naturmaterialien einen „Öko-Look“ haben müssen oder nicht elegant sein können, aber wenn man sich mit dem Thema beschäftigt, dann merkt man schnell, dass das nur ein Klischee ist. Mir ist die Optik und Ästhetik eines Produktes nämlich auch unglaublich wichtig und dennoch soll es gleichzeitig fair und gut hergestellt worden sein – und das ist möglich. Es gibt mittlerweile schon einige Labels, die beide Ansprüche in ihren Produkten vereinen und ich hoffe, dass es mit der Zeit selbstverständlicher wird darauf zu achten.

Klar, kommen wir dabei auch zum nicht unwichtigen Kostenpunkt. Sicherlich müssen wir für Produkte, die den genannten Kriterien entsprechen, etwas mehr ausgeben. Zu Recht, anders geht es nicht. Viele sagen, dass sie es sich nicht leisten können und möchten und daher auf Ware zurückgreifen, die günstig ist. Wenn wir ehrlich sind ist es leider die Waren, die häufig von kleinen Kindern und / oder unter unmenschlichen Umständen produziert werden. Das Leid ist aber so weit weg, wir bekommen es nicht mit und es wird uns leicht gemacht, es zu ignorieren. Grausam. Ich bin mir ganz sicher, dass jeder sich faire Produkte leisten kann wenn er einfach etwas bewusster lebt. Wir konsumieren ohne Ende und haben in der Regel viel zu viel. Muss das sein? Und für welchen Preis? Ich komme immer mehr dahin, dass ich weniger und dafür aber ausgewählte und qualitativ hochwertigere Dinge besitze, die mir nicht nur eine Saison gefallen. Ob es ein Pullover, eine Jacke, ein Kissen oder ein Teppich ist: es lohnt sich einmal etwas mehr Geld zu investieren und dann auch eine lange Zeit Freude daran zu haben – und vor allem auch ein gutes Gewissen. Wenn man bewusst lebt und bewusst einkauft, ist es in der Regel auch mit einem kleineren Budget möglich, auf faire und gute Produkte zurückzugreifen. Wenn wir etwas weniger besitzen, dann können diese Dinge dementsprechend auch hochwertiger und „gut“ sein. Man muss es einfach nur wollen – das ist meine Meinung.

Auch im Bereich Wohnen finde ich immens wichtig auf die Herkunft und Herstellung der Möbel und Wohnaccessoires zu achten. Deshalb lege ich mit meinem Label Lundkvist auch besonders viel Wert darauf, woher die verwendeten Materialien stammen und wie diese produziert werden. Ich setze nur hochwertige, nachhaltige Rohstoffe ein, die in sorgsamer Handarbeit in Hamburg zum fertigen Produkt verarbeitet werden. Selbstverständlich sind die Kosten, die dadurch entstehen, deutlich höher und erfordern somit einen angepassten Verkaufspreis. Preislich wird faire Handarbeit nie mit Kinderarbeit in fernen Ländern mithalten können und das soll es auch gar nicht, denn es ist unter fairen Bedingungen einfach nicht machbar richtig günstig zu produzieren.

Sind wir also bereit für gute Dinge ein paar Euro mehr auszugeben und dafür genauer zu überlegen wieviel wir wirklich brauchen? Ich bin es mittlerweile. Ich möchte bewusster leben und bewusster konsumieren, nicht ständig wegwerfen und neukaufen. Qualität statt Quantität und Fairness statt Ausbeutung. Wir sollten uns täglich vor Augen halten, dass wir die Zukunft in der Hand halten und sich Bedingungen erst ändern können wenn sich das Kaufverhalten von uns, den Verbrauchern, ändert. Ich bin mir sicher, dass wenn jeder von uns versucht etwas bewusster zu leben und sich ein paar mehr Gedanken um den eigenen Konsum macht, dann wird unsere Welt Stück für Stück besser werden.

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